# „Das ist die Zukunft“: Mein Vater, eine Mauermaschine und ein C64

> Wie aus einem Jungen, der Maurer werden wollte, einer wurde, der mit Computern redet. Eine Geschichte über meinen Vater.

- Autor: Oliver Wißmann
- Datum: 03.11.2026
- Quelle: https://oliverwissmann.de/gedanken/das-ist-die-zukunft/
- Website: Oliver Wißmann (DevTron)

Als kleiner Junge wollte ich Maurer werden. Das war naheliegend: Ich war oft mit meinem Vater auf seinen Baustellen, und was gibt es Schöneres als eine Mauer, die jeden Tag ein Stück höher wird?

## Ein Mann, der sich alles selbst beibrachte

Mein Vater wurde im April 1940 geboren, mitten im Zweiten Weltkrieg. Sein Vater war Elektriker. Er kam aus der Kriegsgefangenschaft zurück und starb früh. Vielleicht hatte mein Vater daher sein Faible für Elektrik und Elektronik.

Gelernt hat er etwas ganz anderes: Kfz-Mechaniker. Studiert hat er nie. Alles Weitere brachte er sich selbst bei. Den Bootsbau zum Beispiel: Er entwarf hochseetaugliche Yachten und baute zwei davon selbst, in einer eigenen Halle, nach seinen eigenen Plänen.

Und er baute eine Baufirma auf, aus dem Nichts, bis sie rund hundert Mitarbeiter hatte.

## Die Maschine

Dann kam der Tag, an dem ich nicht mehr Maurer werden wollte. Ich war elf oder zwölf.

Mein Vater zeigte voller Stolz etwas, das es in Deutschland, vielleicht in ganz Europa, noch nicht gab: eine vollautomatische, elektronisch gesteuerte Mauermaschine. Er hatte dafür ein Patent angemeldet, und eine Delegation aus Japan kaufte es ihm später ab, für die Fertigbauweise.

Meine Mutter war dabei. Sie hat mir später erzählt, was ich an diesem Tag zu meinem Vater gesagt habe:

> „Ich möchte nicht mehr Maurer werden. Ich möchte was mit Computern machen.“

Ich selbst erinnere mich nicht an den Satz. Aber an das Gefühl: dass eine Maschine etwas tun kann, wenn man ihr nur die richtigen Anweisungen gibt.

## Der Brotkasten

Mit elf bekam ich meinen Commodore 64. Ob zu Weihnachten oder zum Geburtstag, weiß ich nicht mehr genau, die beiden liegen bei mir nur vier Wochen auseinander. Meine Mutter war dagegen. Zu teuer.

„Was schenkst du ihm dann zum Achtzehnten?“, soll sie gefragt haben. „Einen nagelneuen BMW?“

Mein Vater antwortete:

> „Nein. Das ist die Zukunft. Und der Junge soll sich damit beschäftigen, wenn es ihm gefällt.“

Es gefiel mir.

## Was bleibt

Mein Vater starb, als ich dreizehn war. Er hat nicht mehr erlebt, was aus dem Computer geworden ist, den er mir gegen jeden Widerstand geschenkt hat. Aus BASIC wurde Assembler, aus Assembler wurde C, aus kleinen Spielen auf dem Schulhof wurde Software für die Börse. Und heute rede ich mit Maschinen, die zurückreden.

Er hatte recht. Es war die Zukunft.

Manchmal denke ich, er hätte diese Website gemocht. Er war ein Mann, der Dinge selbst gebaut hat, weil er wissen wollte, wie sie funktionieren. Ich glaube, das habe ich von ihm.
