Kalibrieren mit Blaulicht: Wie Jakob meinen Joystick abgenommen hat
„Papa, das ist toll. Ich bin jetzt Feuerwehrmann Sam und lösche mit dem Feuerwehrauto Jupiter und helfe dir bei Jooooystock.“ Jakob, vier Jahre alt
Eine Drohne und ein Joystick
Vor einiger Zeit habe ich eine kleine Drohne aus einem Bausatz zusammengebaut. Eine sehr einfache, nichts für Luftaufnahmen, aber genau richtig, um zu verstehen, wie so ein Ding fliegt. Gesteuert werden sollte sie nicht mit der mitgelieferten Fernbedienung, sondern mit einem Joystick am PC, über ein kleines Programm, das ich dafür geschrieben habe.
Bevor man mit einem Joystick etwas steuert, das fliegt, muss man ihn kalibrieren. Man muss wissen, wo seine Mitte liegt, wie weit er in jede Richtung ausschlägt und ob er dabei sauber zurückmeldet, was die Hand tut. Sonst driftet die Drohne, obwohl niemand den Knüppel berührt.
„Was ist Kalibrieren?“
Jakob war damals vier. Er stand neben mir, schaute auf den Joystick und auf den Bildschirm und wollte wissen, was das ist, warum das am Computer hängt und was ich damit mache.
„Ich kalibriere den Joystick“, habe ich gesagt.
„Was ist Kalibrieren?“
Versuch mal, einem Vierjährigen zu erklären, was eine Nullpunktabweichung ist. Ich habe es versucht. Es lief ungefähr so gut, wie man es sich vorstellt.
Die bessere Erklärung
Dann fiel mir ein: Jakob liebt die Feuerwehr. Also habe ich kurzerhand ein winziges Computerspiel gebaut. Eine Straße, ein Feuerwehrauto und ein Feuer, das gelöscht werden muss. Minimalistisch, ein paar Rechtecke und Farben, mehr brauchte es nicht.
Und dann durfte Jakob fahren. Nach links, nach rechts, Vollgas, bremsen, wieder zurück. Er hat den Joystick in jede Ecke gedrückt, die es gibt, und in ein paar, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt. Während er das Feuer gelöscht hat, hat mein Programm im Hintergrund die Ausschläge gemessen.
Am Ende war das Feuer aus und der Joystick kalibriert. Und Jakob hatte einen neuen Beruf.
Was ich dabei gelernt habe
Kinder sind die besten Tester. Ein Erwachsener bewegt einen Joystick so, wie man einen Joystick eben bewegt. Ein Vierjähriger mit einer Mission bewegt ihn so, wie es ihm gerade in den Sinn kommt. Genau das will man beim Testen: Eingaben, mit denen niemand gerechnet hat.
Erklären heißt übersetzen. „Kalibrieren“ ist ein abstraktes Wort. „Damit das Feuerwehrauto genau dahin fährt, wo du hinlenkst“ versteht jeder. Ich glaube, Jakob weiß seitdem besser, was Kalibrieren ist, als manch einer, der das Wort benutzt.
Kleine Programme dürfen klein bleiben. Das Spiel war so klein, dass es nicht einmal in einem Repository gelandet ist. Es hatte genau einen Zweck und einen einzigen, sehr zufriedenen Nutzer.
Falls ich den Code wiederfinde, bekommt Jooooystock einen Ehrenplatz in der Spielhalle.